Xteink E-Reader: Winzig, günstig und einfach – dennoch viraler Hit

Bloggern zufolge reden alle über das Phänomen des „TikTok-ifying lesens“
Ein unerwarteter Bestseller hat sich auf dem E-Reader-Markt etabliert: das chinesische Modell Xteink. Dieses Mini-Gerät ist nur wenig größer als eine Kreditkarte, kostet rund 69 € und lässt sich sogar auf der Rückseite eines Smartphones befestigen.
Das Gerät hat dank viraler Bewertungen in den sozialen Medien an Beliebtheit gewonnen. Nutzer berichten, dass Xteink ihnen hilft, endloses Scrollen durch Feeds zu lesen, indem Bücher bevorzugt werden. Der Reader führt derzeit die Kategorie der E-Reader bei Amazons „Hot New Releases“ in den USA an und übertrifft mehrere Kindle-Modelle.

Das Unternehmen hinter Xteink ist in Hongkong registriert. Das Basismodell Xteink X3 ist in Schwarz und Grau erhältlich. Es wiegt lediglich 58 Gramm und ist 5,1 Millimeter dick. Das Gerät kommt mit 16 GB internem Speicher, der sich auf bis zu 256 GB erweitern lässt.
Der Reader unterstützt gängige Dateiformate, darunter TXT, EPUB, MOBI, PDF, JPG und PNG. Zugleich ist der Funktionsumfang des Basismodells äußerst begrenzt: Es gibt keinen Touchscreen, kein Farbdisplay und nicht einmal eine integrierte Hintergrundbeleuchtung zum Lesen im Dunkeln.
Seitdem hat das Unternehmen zwei weitere, fortschrittlichere Modelle veröffentlicht: den Xteink X4 Classic und den Xteink X4 Pro. Beide verfügen über einen Touchscreen und eine Hintergrundbeleuchtung und kosten jeweils 79 € bzw. 99 €.
Software bleibt einer der schwächsten Punkte von Xteink. Der Reader kann zum Beispiel keine Buchcover anzeigen und formatiert Texte nicht immer korrekt. Enthusiasten haben diese Schwächen jedoch bereits selbst behoben. Eine alternative Firmware namens Crosspoint wurde für den Xteink entwickelt, die den Funktionsumfang des Geräts erheblich erweitert.
Die Debatte um den Xteink gewann an Intensität, nachdem ein Artikel von The Atlantic-Kolumnist Saahil Desai veröffentlicht wurde. Der Journalist schilderte seine Erfahrungen mit dem Gerät und beschrieb es als eine der besten technologischen Erfindungen der letzten Jahre – so erfolgreich, dass es vieles aus dem, was Silicon Valley hervorgebracht hat, übertrifft.
Seine erste Einschätzung war jedoch ganz anders. Wie Desai schreibt, könnte der Xteink leicht mit einem weiteren billigen Gadget verwechselt werden, das von Influencern auf TikTok aggressiv beworben wird. Selbst der Markenname klinge, so bemerkt er, als sei er von künstlicher Intelligenz generiert worden.
Doch im Alltag zeigte das Gerät überraschend gute Ergebnisse. In den zwei Monaten vor dem Kauf eines Xteink hatte Desai nur ein Buch gelesen. Im Monat nach dem Erwerb des winzigen E-Readers beendete er drei Bücher. Und er musste dazu keine besondere Anstrengung aufbringen, um mehr zu lesen.
Gleichzeitig sank seine durchschnittliche tägliche iPhone-Nutzungsdauer um etwa 25 Minuten. „Ich fand mich während der Fahrt, beim Anstehen im Museum und sogar während der Werbeunterbrechungen von Netflix beim Lesen wieder“, schreibt Desai.
Laut Nutzern ist der größte Vorteil des Xteink seine winzige Größe. Das Display ist etwa halb so groß wie der kleinste Kindle-Bildschirm, dennoch bleibt der Text groß genug, um ihn bequem zu lesen.
Und seltsamerweise verändert genau dieses kleine Display die Lesegewohnheiten. Eine einzelne Xteink-Seite enthält nur ein oder zwei kurze Absätze. Das erzeugt den Drang, die Seite zu beenden – und sobald man zur nächsten übergeht, lässt sich der Lesefluss leicht fortsetzen. Lesen verwandelt sich allmählich in eine Serie kurzer, schneller Interaktionen, fast wie das Ansehen kurzer Videos oder endloses Scrollen durch ein Social-Media-Feed.
Blogger, die ähnliche Erfahrungen beschrieben haben, haben dem Phänomen bereits einen Namen gegeben: das „TikTok-Phänomen des Lesens“.
Desai selbst gesteht, dass die Idee etwas beunruhigend klingt. Er argumentiert jedoch, dass das Ergebnis schwer zu ignorieren sei. Nun hat er jederzeit eine Alternative zu Instagram und endlosem „Doomscrolling“ – und er muss sein Telefon dazu nicht einmal beiseitelegen. Er legt es einfach um und wechselt vom „schlechten Bildschirm“ zum „guten Bildschirm“.
Aus Desais Sicht wird der Consumer-Electronics-Markt in den letzten Jahren zunehmend vorhersehbar. Hersteller bringen immer teurere und komplexere Geräte auf den Markt, die sich oft nur in technischen Spezifikationen unterscheiden.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Xteink wie das Gegenteil eines modernen Gadgets: billig, winzig, technisch unvollkommen und in vielerlei Hinsicht primitiv. Doch genau diese Einfachheit macht ihn unter Umständen so reizvoll.
Vielleicht brauchen Nutzer nicht immer ein weiteres Smartphone mit Dutzenden neuer Funktionen. Manchmal genügt ein kleines Gerät, das eine einfache Sache tut – und dazu anregt, sie öfter zu tun.

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